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DENKMAL FRANZ THURNER
Rede von Prof. Hans Heinz v.
Hye
Am
Beginn meiner Ausführungen sei vor allem dem Innsbrucker
Verschönerungsverein im Sinne der Pflege unserer Stadtgeschichte
aufrichtig dafür gedankt, dass er den 175. Geburtstagg
von Franz Thurner nicht stillschweigend hat verstreichen lassen,
sondern durch die Restaurierung seines Denkmals hier im Walther-Park
einer breiten Öffentlichkeit bewusst gemacht und damit
die Persönlichkeit von Franz Thurner in Erinnerung gebracht
hat.
Dieses von Feuerwehr-Freunden Franz Thurners bereits 23 Jahre
nach seinem allzu frühen Tode initiierte und 1905 feierlich
enthüllte Denkmal ist ein Werk des Tiroler Bildhauers
Norbert Pfretzschner, wobei die Porträtbüste des
Geehrten nach einem Modell von Heinrich Fuß gestaltet
worden ist.
Das Denkmal für den Innsbrucker Feuerwehrmann Franz Thurner
verdient auch
deshalb besonders hervorgehoben zu werden, weil es eine Rarität
darstellt.
Neben den grossen öffentlichen Standbildern der Erzherzoge
Leopolds V. und Rudolfs IV. auf den betreffenden prächtigen
Brunnen sowie dem Denkmal für den Universitätsprofessor
und Dichter Adolf Pichler, gibt es in unserer Stadt nämlich,
abgesehen vom Bergisel, nur ganz wenige derartige Denkmäler.
Dem Denkmal für Franz Thurner folgten nach 1945, abgesehen
von Grabdenkmälern, nur noch jenes für Erzherzog
Eugen beim Hofgarten, ein Relief für Sebastian Kandler
auf der Hungerburg und vor wenigen Jahren eine kleine Büste
für Rudolf Greinz.
Statistisch betrachtet, steht hier somit der einfache Bürger
aus St.Nikolaus, man könnte auch sagen ein Koatlackler,in
einer Reihe mit zwei österreichischen Erzherzogen und
einem bekannten Innsbrucker Schriftsteller und Naturwissenschaftler.
Auch diese Relation ist in keiner Weise alltäglich. Doch
auch Franz Thurner war in keiner Weise ein alltäglicher,
unauffälliger Durchschnittsmensch! Wie damit bereits
angedeutet, bestätigt die Persönlichkeit Franz Thurners
die häufig zu beobachtende Erfahrung,dass die Persönlichkeit
eines Menschen nicht zuletzt auch von seiner engeren Umgebung,
von einer eigenen Lebens-Atmosphäre mitgeprägt wird.
Hinsichtlich von Anbruggen findet diese Erfahrung mehrfache
Bestätigung, zumal hiersowohl in der Vergangenheit als
auch in unserer Gegenwart immer wieder bedeutende, sozial
engagierte Mitbürger wirken, die nicht nur ihr persönliches
Fortkommen als Lebensziel verfolgen, sondern denen auch das
ihrer Umwelt, ihrer Nachbarn und ihrer Heimat ganz besonders
am Herzen liegt.
Im Falle von Franz Thurner, dem Begründer der Innsbrucker
Feuerwehr, bot St.Nikolaus oder Anbruggen, diese uralte Keimzelle
unserer Stadt, jenes engere und charakteristische Milieu,in
dem er am 25.Oktober 1828, also genau vor 175 Jahren im Hause
an der Innstrasse 25 als Sohn eines Seilermeisters geboren
worden ist. Stellt man Thurners Geburtsjahr hinein in den
Ablauf der Tiroler und der Österreichischen Geschichte,
so fällt auf, dass in seiner Kindheit und Jugend noch
zahlreiche Zeitzeugen des Tiroler Freiheitskampfes der
Jahre 1796 bis 1814 gelebt haben und dem jungen Burschen darüber
berichten konnten. Andreas Hofer galt für ihn sicher
noch als leuchtendes Vorbild und nicht als leere Worthülse.
Andererseits ist zu beachten, dass Franz Thurner als 20-jähriger
Mann im Jahre 1848 nicht nur die revolutionären Ereignisse
in den Residenzstädten Mitteleuropas medial aus den Zeitungen
miterlebt hat, sondern sogar Zeuge eines bis dahin in Österreich
unvorstellbaren Ereignisses wurde, als nämlich der Österreichische
Kaiser Ferdinand I. der Gütige vor denWirren der Wiener
Revolution nach Innsbruck geflohen war.
Besonders einprägsam im Jahre 1848 war für Thurner
auch das Erlebnis der militärischen Bedrohung der heimatlichen
Grenze, zu deren Verteidigung er damals erstmals mit den Tiroler
Landesschützen in´s Feld zog,- und zwar bereits
als Oberjäger der 1.Scharfschützen-Kompanie des
Landgerichtes Innsbruck-Sonnenburg. Dieser seiner ersten Ausrückung
im Jahre 1848 folgten weitere 1859 und 1866, beide male als
erwählter Hauptmann. Die betreffenden Daten finden sich
auch hier am Denkmal eingemeißelt. FranzThurners eigentliches
Engagement galt dabei im Sinne der altenTiroler Landesverteidigungsverfassung
nur dem akut notwendig gewordenen ebenso pflichtgemäßen
wie patriotischen Einsatz zur Verteidigung des TirolerVaterlandes.
Der Beruf eines Soldaten jedoch war nicht sein Ziel.
Sein soziales Engagement galt vielmehr der unmittelbaren Hilfeleistung
für seine Mitbürger. Offenbar hatte er bei seiner,
der weiteren Berufsausbildung als Seiler geltenden Walz
durch die Städte Süd- und West-Deutschlands nicht
nur seine beruflichen Fähigkeiten und Kenntnisse verbessert,
sondern sein Interesse auch jenen neuen Praktiken zugewandt,
die die Brand-Bekämpfung auf eine völlig neue Basis
gestellt haben.
Nicht mehr der weitgehend ungeordnete Massen-Einsatz aller
wehrfähigen Bürger und Mitbewohner, die sich im
planlosen Übereifer gegenseitig behinderten, sondern
der geplante und gezielte Löscheinsatz gelernter Feuerwehrkräfte
war das neue strategische Ziel der Brandbekämpfung. Für
einen effektiven Einsatz auf den hohen Feuerwehrleitern, aber
auch zum Ziehen und Betreiben der Pumpen- und Gerätekarren
etc. brauchte es jedoch nicht nur Einsatzbereitschaft und
Mut, sondern auch einen durchtrainierten Körper. Die
erste Konsequenz aus seiner ersten, eigentlich der Seilerei
gewidmeten Studienreise war es daher, als Turnlehrer die männliche
Jugend des Landes zu aktivieren. Bemerkenswerter Weise pflichtete
derTiroler Landtag diesem Konzept bei und ernannteThurner
im November 1855 zum akademischen Turnlehrer.
Bereits im folgenden Jahre 1856 nutzte Thurner die Semesterferien,
um sich in den süddeutschen Städten, besonders in
Stuttgart,- und zwar nicht nur theoretisch-, als Feuerwehrmann
ausbilden zu lassen, wobei er einmal sogar nahe daran war,
aus der Höhe des dritten Stockwerkes abzustürzen.
Auf eigenes Risiko bestellte er damals in Mainz mehrerer Hakenleitern,
einen Rettungsschlauch, ein Sprungtuch und andere Feuerwehr-Utensilien.
Nach Innsbruck zurückgekehrt, war Thurner daher intensiv
bemüht, nun auch für diesen zweitenTeil seines Konzeptes,für
die Errichtung einer Innsbrucker Feuerwehr, Freunde zu gewinnen.
Im Jahre 1858 zählte seine Truppe bereits 21 Mann. Doch
als es darum ging, auch den Karren mit der Spritze und den
übrigen Geräten zum Übungsplatz zu ziehen,
gab es anfangs lange Gesichter. Mutig als turnerisch geübter
Steiger auf die hohen Leitern zu klettern war
eine Sache, als Karrenzieher auf der Strasse ein
unansehnliches Bild zu machen, etwas anderes. Doch nachdem
hier Innsbrucker Professoren und Unternehmer wie Adam Daum
und Rhomberg u. a. mit gutem Beispiel vorangingen, war auch
diese Hürde genommen. Überwunden werden konnte auch
eine vorübergehende
Missstimmung der Gemeindeführung gegenüberThurner.
Maßgeblich zum positiven Stimmungsumschwung trug vor
allem der erfolgreiche Einsatz der ThurnerWehr bei einem Innsbrucker
Brand des Jahres 1858 bei, welcher am 12.Juli in höchst
gefährlicher Weise hinter dem ehemaligen Bruderhaus am
Adolf-Pichler-Platz bzw. hinter dem ehemaligen Ursulinenkloster
ausgebrochen war.
Eine weitere entscheidende Bewährungsprobe absolvierte
dieThurnerwehr
1862 beim Brand des Hauses Herzog Friedrich-Straße 40,
welches sich im Besitz
des damaligen Bürgermeisters Karl Adam befand. Damit
war endgültig jede Hürde für die Errichtung
einer eigenen Innsbrucker Feuerwehr genommen. Dessen ungeachtet
erließ der Stadtmagistrat erst zwei Jahre später,
unter Adams
Nachfolger Dr. Peer, am 12.Mai 1864 im Sinne Thurners eine
neue, moderne Feuerwehrordnung für Innsbruck und ernannte
FranzThurner mit Dekret vom 21.Juni 1864 zum Feuerwehrkommandanten
der Stadt Innsbruck. DiesesAmt wurde damals erstmals
geschaffen und von Thurner bis 1871 bekleidet.
Acht Jahre später, im Jahre 1879, ist Franz Thurner dann
völlig überraschend und viel zu früh im Alter
von nur 51 Jahren bereits gestorben. Die näheren Umstände
seines frühenTodes sind derzeit noch unerforscht.
Zusammenfassend dürfen wir am Ende dieser Würdigung
FranzThurners feststellen: Er war im positivsten Sinn der
Repräsentant einer neuen Zeit, die die geistige Enge
und Bequemlichkeit des Biedermeier überwunden hatte und
neuen Ideen offen stand.
In diesem Sinne und gemäß des Grundsatzes Mens
sana in corpore sano bekannte sichThurner auch als wahrhaft
engagierter, fröhlich-optimistischer Freigeist zur damaligen
Zuwendung zur Gymnastik. Überdies war er ein zutiefst
sozial empfindender Innsbrucker Bürger
und ein durch und durch patriotischer Tiroler. Kurzum, er
war in jeder Beziehung ein Mensch, dessen Lebensinhalt, im
Sinne desTurner-Kreuzes Frisch, fromm, fröhlich,
frei der uneigennützige Dienst am Nächsten
war. Dementsprechend findet sich das Turner-Kreuz auch als
Wappen-schild, bedeckt von einem Feuerwehrhelm, an derVorderseite
des Denkmals für Franz Thurner.
Bleibt abschließend noch mit Freude anzumerken, dass
es auch hier und heute noch Menschen und Mitbürger gibt,
die allen neokapitalistischen, sogenannten Privatisierungstendenzen
zumTrotz, ebenso wie einst Franz Thurner, in Vereinigungen
wie jener des InnsbruckerVerschönerungsvereins, der Feuerwehr,
der Vereinigung St.Nikolaus, in Musikkapellen und bei den
Schützen ihren Lebensinhalt im uneigennützigen Dienst
für unsere Gemeinde erblicken.
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DER ARZLER KALVARIENBERG WIRD STABILISIERT
DerArzler
Kalvarienberg ist ein landschaftliches Wahrzeichen für
jeden, der sich Innsbruck von Osten nähert. Leider aber
ist er nicht so stabil, wie man das von Landschaften und noch
dazu landschaftlichen Wahrzeichen erwarten würde.
Wind und Wetter nagen am Hang und dasWahrzeichen kam ins Rutschen.
Nun hat die Stadt Innsbruck ein Sanierungskonzept präsentiert.
Seit den 70er Jahren weiss man, dass der Hang des Arzler Kalvarienberges
erodiert und besonders die Niederschläge und tiefen Temperaturen
des Jahres 1999 führten zu Hangrutschungen. Viele Arzler
fürchteten, dass die Flanke abbrechen und die Kapelle
zuTal rutschen könnte. Vizebürgermeister Dipl.Ing.Eugen
Sprenger und Dipl. Ing.Leonhard Steiger vom Amt für Land
und Forstwirtschaft stellten nun ein Sanierungskonzept vor.
Experten hatten zweiVarianten zur Wahl gestellt:
Aufschütten des Gegenhangs oder Vernagelung des bestehenden
Kalvarienberges. Nun hat man sich für die Vernagelung
entschieden. Sie stellt den kleineren Eingriff in das Biotop
dar und gilt als nachhaltige Sanierungsmassnahme. Das Aufschütten
des Gegenhanges hätte einen rund drei Jahre dauernden
Baustellenverkehr durch Arzl bedeutet, während die Vernagelung
bereits im Mai 2004 abgeschlossen sein soll.
Vernagelung bedeutet, dass Anker aus Spritzbeton in acht oder
mehr Reihen in den Hang eingebracht werden. Dadurch entstehen
kleineTerrassen, die mit Humus und Erde aufgeschüttet
und anschliessend bepflanzt werden. Als Pflanzen sind Haselnuss,
Esche, Ulme, Vogelbeeren, Holunder und diverse Kirscharten
vorgesehen. Da die Kapelle am Kalvarienberg ein besonders
prägendes Landschaftselement ist, soll sie im Zuge des
Projektes so freigestellt werden, dass sie wieder für
lange Zeit ungefährdet und weit sichtbar über dem
Inntal stehen wird.
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DANK AN DREI STARKE
FRAUEN
Frauenleben in Innsbruck Herbstvortrags 2003
Frauenleben
in Innsbruck war der Titel unseres Herbstvortrags, zu
dem wir am 11.November in den Raiffeisensaal in Innsbruck
geladen hatten. Vortragende waren Ellinor Forster und Astrid
von Schlachta, die gemeinsam mit Uschi Stanek ein Buch mit
dem Titel des Vortrags geschrieben hatten und das mit Untertitel
historisches Stadt- und Reisebuch heisst. Diesem
Anspruch wurden die beiden Referentinnen,- Uschi Stanek ist
beruflich in Berlin-, mehr als gerecht. Es war ein buntes,
interessantes und faszinierendes Bild aus Zeiten, in denen
die Stellung der Frau in der Gesellschaft auch ganz offiziell
eine völlig andere war als heute. Vieles dieser Stellung
hat sich bis heute durchaus gehalten, gilt aber zumindest
offiziell nicht mehr als gesellschaftlich korrekt.
Neben dem Inhalt war aber auch die Form des Vortrags bemerkenswert.
Mit Hilfe neuester Computertechnik war der Vortrag professionell
bebildert und viel mehr als ein traditioneller Diaabend. Frau
Veronika Kopf untermalte die einzelnen Kapitel mit Musik aus
der jeweiligen Zeit, was bis zum gekonnten Einsatz eines Dudelsacks
reichte. Es war ein schöner und faszinierender Abend,
der sich mehr Besucher verdient hätte. Doch dazu lesen
Sie bitte den Leitartikel unseres Obmanns auf Seite 1.
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WINTERDIENST
Peter
Obermoser, Arbeiter des Innsbrucker Verschönerungs-vereins,
montiert eine der neuen Hinweistafeln für die Wanderwege.
An ausgesuchten Punkten sollen dieseTafeln darauf hinweisen,
dass die Wege nicht immer eisfrei und rutschsicher zu begehen
sind.
Die Mitarbeiter des Innsbrucker Verschönerungsvereins
sind ständig bemüht, das Netz der Wanderwege bestens
zu pflegen, doch bringt besonders der Winter viele zusätzliche
Gefahren mit sich. Wir wünschen allen unseren Mitgliedern,
Bürgern und Gästen schöne Spaziergänge
imWinterwald, bitten aber gleichzeitig um besondere Vorsicht
bei Eis und Schnee.
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DIE MARIAHILF-KAPELLE IN
ARZL
Vor
gar nicht so langer Zeit stand die Mariahilf-Kapelle noch
am Rand eines einfachen Weges zwischen den Dörfern Mühlau
undArzl, mitten in Feldern undWiesen, mit freiem Blick auf
den fruchtbaren Talboden östlich von Innsbruck.
Das hat sich in einem einzigen Jahrhundert stark geändert.
Heute steht die Kapelle am Rand der stark befahrenen Dörferstrasse,
die Wiesen, die Felder und der Ausblick sind verbaut. Die
Kapel-le selbst hat sich zwischen Sträucher und Bäume
zurückgezogen. 1967 wurde sie zum letzten Mal renoviert
und hat dabei ihre rustikale Giebelfront bekommen, eine ausladende,
mit schwarzem Kupfer verblechte Traufe, eine Betonschwelle
und mit Holz verkleidete Innenwände.
Gebaut wurde die Kapelle vermutlich im Barock, das genaue
Baujahr ist aber nicht bekannt. Zwei Votivbilder mit den Jahreszahlen
1712 und 1716 geben einen zeitlichen Anhaltspunkt. Das Mariahilf-Fresko
an der Stirnseite der Kapelle stammt vom Historienmaler Josef
Arnold sen. und ist 1858 entstanden. 1830 wurde die Kapelle
vergrössert. Derzeit wird an der Dörferstrasse gebaut
und das ist eine gute Gelegenheit zur Verschönerung der
Mariahilf-Kapelle. Mit Hilfe der Stadt und des Bundesdenkmalamtes
kümmert sich der Innsbrucker Verschönerungsverein
darum.
Unser Renovierungsziel ist nicht nur die Kapelle selbst, sondern
ihre ganze Lage. Hangrutschungen haben im Lauf der Zeit die
Apsis praktisch eingegraben, was wir rückgängig
machen wollen. Der Fussweg zur Kapelle muss neu angelegt werden
und mit einfachsten Mitteln wollen wir vor der Kapelle einen
kleinen Platz gestalten. Die Kapelle selbst braucht eine Dachreparatur,
Ausbesserungen an der Fassade und frische Farbe. Ziel ist
es, die Mariahilf-Kapelle aus ihrem Dornröschenschlaf
zu erwecken, denn in ihrem jetzigen Zustand bleibt sie vielfach
unbemerkt. Das soll nicht so bleiben, denn es wäre besonders
schade um gerade diese Kapelle, die den raschen Wandel der
Zeiten im wahrsten Sinn des Wortes täglich an sich vorbeiziehen
sieht.
Wenn Sie zur Renovierung der Mariahilf-Kapelle inArzl etwas
beitragen wollen, so sind wir für eine Spende sehr, sehr
dankbar. Ein Erlagschein liegt diesem Mitteilungsblatt bei.Wir
sagen schon jetzt ein herzliches Danke!
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SEIT 100 JAHREN IN INNSBRUCK: PRADL
UND WILTEN
Seit 1904 sind die ehemals
selbständigen Dörfer, bzw. Weiler Pradl und Wilten,
Stadtteile von Innsbruck. Universitätsprofessor Dr. Franz
Heinz v. Hye wird sich in dieser und unseren folgenden Mitteilungsblättern
mit der Geschichte dieser Stadtteile und den Folgen der Eingemeindung
im Jahre 1904 beschäftigen. Unsere Serie beginnen wir
mit einem historischen Blick
auf Pradl.
Pradl
wurde ebenso wie Wilten auf der Grundlage freier demokratischer
Verhandlungen und ebensolcher Entscheidungen der Bevölkerung
unter der Regierung des Österreichischen Kaisers Franz-Josephs
I. mit Wirkung vom 1.Jänner 1904 in die Landeshauptstadt
Innsbruck eingemeindet. Bis dahin war Pradl eine Fraktion
der uralten Dorfgemeinde Amras.
Der Name Pradl, abgeleitet vom lateinischen pratalia
(kultivierte Wiesenfläche), erinnert daran, dass sich
hier wohl seit spätrömischer Zeit eine relativ weiträumige
landwirtschaftliche Nutzfläche ausgedehnt hat, durch
deren südlichen Bereich, an der Stelle der heutigen Wiesengasse,
die wichtige antike Römerstrasse von Veldidena (Wilten)
in das Unterinntal verlaufen ist. Ein römischer Meilenstein
des Kaisers Septimius Severus aus dem Jahr 201 westlich der
heutigen Aldranser Auffahrt hat bis zum Jahre 1999 an die
einstige grosse Bedeutung dieses Strassenzuges erinnert. Abgesehen
von diesem
Meilenstein existieren heute in Nordtirol nur noch zwei römische
Meilensteine an ihrem ursprünglichen Standort, nämlich
einer am Holzleitensattel und der andere in Reith bei Seefeld.
Der Meilenstein an der Wiesengasse musste aber den Bauarbeiten
für das neue Fußballstadion weichen und kam als
Leihgabe des Klosters Wilten in das Landesmuseum Ferdinandeum.
Er soll jedoch in nächster Zeit durch einen gleichförmigen
Gedenkstein im Bereich der Busschleife beim Stadion an der
Wiesengasse ersetzt werden. Dies ist umso mehr von Bedeutung,
als dieser einzige Römische Meilenstein im Innsbrucker
Stadtgebiet eben deshalb als besonderes Kennzeichen in das
Pradler Stadtteilwappen aufgenommen worden ist (siehe Abbildung).
Überdies gilt er noch heute als östlicher Grenzstein
der Pfarre Wilten. Der Sage nach wurde der Stein vom Riesen
Haymon, dem Klosterstifter, bis an seinen ursprünglichen
Platz geschleudert, um die östliche Grenze des Klosters
zu markieren.
Nach der Gründung des Marktes Innsbruck links des Inn
um 1165/70 und dem damit verbundenen Bau der ersten und namengebenden
Innbrücke, wurde schon bald durch die Pradler Sillbrücke
und die Egerdachstrasse eine Verbindung von Amras zum neuen
Markt, bzw. zur neuen Innbrücke hergestellt. So wie dies
auch anderswo in der Regel zu beobachten ist, so bildete sich
auch an der Pradler Sillbrücke alsbald eine Brückensiedlung,
die von ihren Bewohnern nach dem Namen der dortigen Feldflur
die Bezeichnung Predele erhielt. Urkundlich erwähnt
ist diese Bezeichnung erstmals 1173. Der Siedlungskern entwickelte
sich allmählich zu einem kleinen Weiler mit einigen Gehöften
und Ansitzen, wobei der Straßenzug der Egerdachstraße
noch lange Zeit dominant blieb.
Erst
die Schaffung des Fürstenweges von der Innsbrucker
Hofburg über die Pradler Sillbrücke nach Schloss
Ambras durch Erzherzog Ferdinand II. (in Tirol 1564
1595), bedeutete den Startschuss für die Anlage der heutigen
Pradler Straße und des südlichen Abschnitts der
Amraser Straße, während die Reichenauer Straße
ursprünglich nur als Feldweg die Verbindung zum dortigen
landesfürstlichen Gutshof gebildet hat, der etwa 1460
errichtet worden war. An der neuen Haupt-, bzw. Pradler Straße
entstanden in der Folge die erste (1677) und die zweite Pradler
Pfarr-kirche (1908) sowie das dortige Schulgebäude.
Zu erwähnen ist auch die einstige Pappelallee, an die
nur noch wenige Bäume bei der Pfarrkirche erinnern. Im
Zug der Eingemeindung und zwar schon während der Planungsphase,
entstanden nach und nach an der Stelle der einstigen, parallel
zur Wiesengasse verlaufenden Feldwege der alten sieben
Gestöße die heutigen Defregger, Gumpp- und
andere Straßen, wobei der Gasthofname Neu Pradl
mit dem dortigen Giebelfähnchen mit der Jahreszahl 1903,
als damals östlichstes Haus an der Defregger Straße
für sich selbst spricht. An die Planungs- und Verbauungsphase
der ersten Jahre nach der Eingemeindung erinnern auch der
Name Leipziger Platz zum 10-Jahr-Gedenken an die
Völkerschlacht bei Leipzig 1813 sowie Portraitmedaillons
von ca. 1909 mit 1809-Bezug an einer Hausfassade an der Südseite
des Platzes.
(Diese Artikelserie wird in unseren nächsten Ausgaben
fortgesetzt).
[Übersicht]
WANDERVORSCHLAG: AM ADOLF-PICHLER-WEG
VOM RESCHENHOF ZUR MÜNZE IN HALL
Ausgangsort:
Wanderskizze
Gasthof Rechenhof (869m)
Zielort: Alte Münze
in der Burg Hasegg in Hall (574m)
Höhenunterschied: 295m,
bisThaur fast eben, dann abwärts
Wanderzeit: 2,5-3 Stunden
Weglänge: 12km gesamt;
Romediuskirchl 4km Wallfahrtsbasilika Absam 5km Alte
Münze 3km
Einkehr: Gasthof Rechenhof,
Kirchen-wirt in Absam, GH in Hall, Burgtaverne
Dieser Wanderweg kann im Anschluss an den Rosnerweg oder vom
Rechenhof aus begangen werden (kein öffentliches Verkehrsmittel
zum Rechenhof). Nach dem Gasthof geht es rechts amWaldrand
entlang zu einer Kreuzung im Wald mit vielen Ab-zweigungen.
Hier beginnt ein Waldlehrpfad mit der blauen Markierung 14,
der um die
großeWiesenfläche des Garzanhofes führt.
Je nachWetter, ob Sonnenschein gewünscht oder Schatten,
kann man sowohl nördlich als auch südlich um dieWiese
herumgehen.
Nach dem Garzanhof geht es kurz steil bergab und weiter eben
zur Adolf-Pichler-Quelle. Kurz danach treten wir wieder auf
eine große freie Acker- und Wiesenfläche hinaus,
die zum Schloßhof gehört. Bis hierher haben wir
1 Stunde gebraucht und können uns imVorbeigehen die Ruine
des früheren
SchloßThaur anschauen.
In den Ruinen dieser ehemals größten Burganlage
des Inntales finden im Sommer Freilichttheateraufführungen
statt. In fünf Minuten sind wir dann beim allseits bekannten
Romediuskirchl, das eigentlich den Namen St. Peter und Paul
hat und als Wallfahrtskirche dient. Diese Doppelkapelle wurde
1783 erbaut und mit Deckenfresken derThaurer Maler Josef und
Franz Gi-ner geschmückt. Eine sehr schöneAussicht
auf das Inntal und den gegenüberliegenden Glungezer kann
man von den zahlreichen Ruhebänken genießen. Weiter
führt uns ein etwas steilerer, gesicherter Weg hinab
in die Thaurer Klamm und östlich wieder leicht bergauf
zur Kaponssiedlung.
Hier gehen wir talwärts die Stollenstraße zwei
Straßen hinab und zwei-gen
links in den Adolf-Pichler-Weg (offiziel-le Straßenbezeichnung)
ab. Nach dem Ortsende führt uns derWeg amWaldrand entlang,
bis wir einen Weg direkt hinab zur Wallfahrtskirche in Absam
entdecken. Auf diesemWeg hinab erreichen wir nach 9 km schöner
Wanderung (2 Stunden) Tirols
meistbesuchte Bittstätte. 1780 wurde die ursprünglich
spätgotische Kirche im Rokokostil prächtig ausgestattet.
Am
Weiterweg nach Hall sehen wir in der Stainerstraße 7
das Haus, in dem Jakob Stainer, Vater der deutschen
Geigen, 1617 geboren wurde und auch seine Meistergeigen
gebaut hatte. Entweder durch die Krippstra-ße
oder auf dem Breitweg gehen wir südwärts und ständig
leicht abfallend zur Innenstadt von Hall hinab. Sehenswerte
Bauten gibt es sehr viele in Hall. Am bekanntesten sind die
Stadtpfarrkirche St. Nikolaus am Oberen Stadtplatz und die
Burg Hasegg mit dem Münzerturm.
St. Nikoklaus, die älteste spätgotische Hallenkirche
1403 beherbergt im vorderenTeil die Waldaufkapelle mit großer
Reliquiensammlung und der vermutlich von Michael Pacher geschnitzten
Figur Waldaufmutter.
Weiter geht es am Bergbaumuseum vorbei durch die Finstergasse
in die Eugenstraße und durch einen schmalen Durchgang
über die Schweighoferstiege hinab zum Unteren Stadtplatz.
Am Ende der Münzergasse sehen wir schon die Burg Hasegg,
das Ziel unserer Wanderung.
Die Burganlage wurde bereits 1306 erwähnt und erlebte
1567 durch die Verlegung der Münzstätte von der
Burg Sparberegg hierher einen großen Aufschwung. 1809
wurden die letzten Münzen, der An-dreas-Hofer-Zwanziger
und der Kreu-zer hier geprägt. Erst 1975
wurde die Prägestätte wieder eröffnet.
Nach einer Rast in der Burgtaverne sollte man sich noch ein
wenig in der mittelalterlichen Stadt mit den zahlreichen Sehenswürdigkeiten
umsehen und dazu beim Tourismusverband kostenlos einen Stadtführer
und Stadtplan holen.
Text und Karte: Ing. R. Opitz, Innsbruck
Wanderskizze
[Übersicht]
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